Das sagen Nadorster Händler zum Gewinner-Entwurf

Foto: Nadorster Straße

Stellungsnahme von Jürgen König:

Über 10 Jahre geriet die Nadorster Straße völlig in Vergessenheit,
und jedes Drängen nach Änderung wurde aus der Politik leichtfällig
abgetan. Akute Probleme, wie die zunehmende Prostitution und Obdachlosigkeit, Drogenhandel und Gewalt, gehören mittlerweile zum
alltäglichen Straßenbild. Dies belastet seit Jahren nicht nur Anwohner,
Händler und Kunden im Stadtteil, besonders leiden das Ehnernviertel
sowie die Grundschule Heiligengeisttor.
Wir von der Werbegemeinschaft Nadorst machen uns bereits seit
Jahren für die Verbesserung des Straßenbildes stark und berufen
immer wieder Besprechungen mit den städtischen Behörden, der
Polizei und den Anwohnern ein. Zunächst mit Erfolg, denn unser
Durchhaltevermögen wurde belohnt: 2016 wurde die Untere Nadorster
Straße zum Sanierungsgebiet erklärt und ein Teil unseres Vorstandes
zum Mitglied des Sanierungsbeirats.

Doch bedauernswerterweise hatten wir kein Mitspracherecht bei der
Auslosung des Planungswettbewerbs. Statt diejenigen zu befragen,
die sich tagtäglich mit dieser Situation konfrontiert sehen und die
Lage bereits sehr gut einschätzen können, wurden stadtfremde Planer
und Architekten herangezogen, um Nadorst zu verändern.
Nun dürfen wir laut NWZ Bericht vom 20.07.2020 von einer malerisch
grünen, ruhigen Straße träumen, die zum Einkaufen und Verweilen
einlädt.

Der berichtet, Entwurf von SHP Ingenieure weist deutliche Parallelen
zum Einzelhandelsentwicklungskonzept (EHK) aus dem Jahr 2007
auf, dessen Aktualität es 13 Jahre später, insbesondere nach dem
weiteren Erstarken des Onlinehandels und nach einer Pandemie,
dringend zu hinterfragen gilt.
Fraglich bleibt in dieser Skizze auch, wie mit der Jahnhalle am Lindenhofsgarten verfahren wird, welche Bäume sich angesichts der
Verkehrswege überhaupt eignen und welche Ausbaumaßnahmen
zuerst durchgeführt werden sollen – der Kanalausbau oder die Versorgungsleitungen?

Der Entwurf sieht überdies vor, nur einen Zentralversorgungsbereich
Typ B auf Höhe der Ackerstraße und des Hochheider Wegs einzurichten.
Dabei benötigen wir viel mehr Nahversorger.
Geplant ist außerdem, dass die Nadorster Straße zu einer ruhigen
30er Zone wird sowie Rad- und Fußwege ausgebaut werden. Doch
das hat unweigerlich zur Konsequenz, dass Parkplätze weichen
müssen. Es bedarf keines zweiten Blickes, um zu erkennen, dass
es bereits jetzt zu wenig Parkplätze gibt. So sehr der grüne Trend
auch aufkeimt, besitzen mehr Deutsche als je zuvor ein Auto, und
Letzteres will irgendwo stehen. Wenn die Autos nicht mehr an der
Straße geparkt werden können, wo dann? Eine weitere Verstopfung
aller Nebenstraßen, in denen es schon heute zur Platznot bei Gegenverkehr
kommt, kann dabei nicht zielführend sein.

Vor allem aber bleibt die Nadorster Straße mit täglich 14.000 Fahrzeugen
eine Hauptverkehrsstraße und damit eine der wichtigsten
Zufahrten zur Oldenburger Innenstadt, die ihrerseits bereits mit
schweren Umsatzeinbußen und Leerständen zu kämpfen hat. Wird
die Anfahrt zusätzlich erschwert, sinkt die Attraktivität weiter.
All diese Aspekte haben eine Schwächung der ansässigen Wirtschaft
zur Folge. Ein Mangel an Parkplätzen zieht weniger Kunden
nach sich, hemmt Investoren und schwächt den ohnehin von der
Pandemie betroffenen Einzelhandel.

Wir als direkte Betroffene wünschen uns, stärker Gehör zu bekommen.
Ein Ausbau des Radweges und mehr Grün in der Straße sind
ebenfalls in unserem Interesse – doch bitte unter der Berücksichtigung
gegebener Strukturen. Wieso wird der Gertrudenfriedhof nicht
von allen Seiten begehbar, indem Teile der Friedhofsmauer geöffnet
werden? So kann dem Drogenhandel auf dem historischen Gelände
schon auf natürliche Weise Einhalt geboten werden und der Radweg
entlang der Friedhofsmauer verbreitert werden.

Zusätzlich erstrahlt das viele Grün des Friedhofs, und der Blick auf
die historische Kirche wird frei. Wünschenswert ist ein Entwurf, der mit Ortskenntnissen glänzt und die unterschiedlichen Interessen des vielfältigen Stadtteils vereint. Dies gelingt, indem man die Menschen vor Ort als Experten heranzieht.

(Jürgen König, 1. Vorsitzender „Die Nadorster e.V.“)

Stellungsnahme von Martin Schlifski:

Der lapidare Satz: „Da in den rückwärtigen Bereichen zahlreiche
Parkplätze zur Verfügung stehen, kann das Parken im Straßenraum
deutlich reduziert werden,“ ist eindeutig falsch und nicht sauber
recherchiert. Es herrscht schon jetzt ein erheblicher Parkplatz-Mangel,
sodass sowohl Mitarbeiter von ansässigen Unternehmen als
auch Anwohner in ihrer Not dazu übergegangen sind, alle 2 Stunden
die Parkscheibe umzustellen, um nicht ein Knöllchen zu riskieren.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Dieses Verhalten möchte ich
in keiner Weise gutheißen, ganz im Gegenteil: Ich als hier ansässiger
Geschäftsmann spreche jeden auf dieses Fehlverhalten und seine
Auswirkungen an, wenn ich diese Praxis miterlebe. Denn die Parkstreifen
mit dem 2 Stunden Parklimit sollen ja gerade dazu dienen, dass für den Besuch der Geschäfte und Restaurants sowie der anderen
Gewerbebetriebe hier attraktive Rahmenbedingungen geschaffen
werden. So jedenfalls habe ich das die letzten 25 Jahre erlebt und
gesehen. Wo die Parkplätze in den rückwärtigen Bereichen sein sollen,
ist mir nicht klar, jedenfalls sind davon keine für unsere Kunden
und für die vieler anderer Geschäftsleute zwischen Abzweigung Alexanderstr. und Lindenhofsgarten verfügbar. Dass die schätzungsweise
mehr als 100 Parkplätze mit Kurzzeit-Parkscheibenpflicht in
diesem Bereich (die jetzt scheinbar wegfallen sollen) für die hiesigen
Geschäftsleute zwingend gebraucht werden, zeigt die tägliche Voll-
Belegung deutlich. Daher meine obige Einschätzung, dass hier zu
Gunsten des gewollten Ergebnisses wie schon gesagt nicht sauber
recherchiert oder bewusst falsch dargestellt wurde.

Sollte sich an dieser Planung nichts mehr ändern lassen oder eine Änderung nicht gewollt sein, werde ich ernsthaft darüber nachdenken
müssen, für mein Unternehmen zeitnah einen alternativen Standort zu
suchen: Begründung: Erstens werden wir als Geschäftsleute ohnehin
große Umsatzausfälle während der Bau- und Sanierungsphase haben,
da ja neben den Umbaumaßnahmen vermutlich zeitgleich die Kanal-
Sanierung des OOWV ansteht und die Geschäfte während dieser Phase
zwar grundsätzlich erreichbar bleiben, von Attraktivität für die Kunden
jedoch nicht zu sprechen sein wird. Von den Kunden, die zu uns
müssen und uns daher aufsuchen, können wir aber alleine definitiv
nicht überleben. Wenn direkt danach die oben hinreichend beschriebene
Parkplatz-Knappheit für unsere Tauchkunden Bestand hat, sollten
wir aus unserer Sicht vielleicht besser jetzt den Standort verlassen, hinterher werden wir nicht mehr die finanziellen Rücklagen und das entsprechende Bank-Rating haben, einen Standort-Wechsel zu stemmen.
Zumal wegen der Corona-Situation die aktuelle Situation ohnehin
brenzlig ist, wir als Tauchschule und internationaler Tauch-Reiseveranstalter in der Existenz schon jetzt bedroht sind und derzeit die finanziellen Rücklagen aufbrauchen. Von daher hoffe ich sehr, dass das letzte Wort hier noch nicht gesprochen ist und freue mich über baldmögliche konstruktive Rückmeldung zu diesem Thema, vor allem auch um Planungssicherheit zu haben und ggf. noch reagieren zu können.

(Martin Schlifski, Tauchertreff Dekostop)

Stellungsnahme von Katja und Lutz Brockhus:

Wir haben die Befürchtung, dass das hier in die falsche Richtung
geht, zumal der Entwurf ja vorsieht, einiges an Parkplätzen wegzunehmen.
Wir brauchen aber die Parkplätze für unsere Kunden, viele
fahren hier vorbei, halten kurz, um einzukaufen und fahren gleich weiter.
Zudem sind unserer Meinung nach ausreichend Parkmöglichkeiten
für die Aufrechterhaltung und auch Aktivierung der Geschäftswelt
notwendig.

Unter den vorgeschlagenen Rahmenbedingungen kann man schwerlich
erwarten, dass sich hier weitere Unternehmen aus dem Einzelhandel
oder auch aus dem Handwerk ansiedeln werden. Wir brauchen
hier auch keine Gartenbänke hinzustellen. Die Nadorster Straße
ist nun mal keine Straße, auf der man lange verweilen möchte. Das
ist eine Ausfallstraße nach Rastede. Wenn wir bummeln gehen
möchten, gehen wir in die Innenstadt. Natürlich ist es schön, wenn
alles neu gemacht wird, und im Bereich der Radwege gibt es auf
jeden Fall Verbesserungspotenzial. Aber wenn man sich beispielsweise
die Donnerschweer Straße ansieht bzw. den vorderen Teil, der
früher sehr belebt war, so ist nach dem Umbau nicht viel von dieser
Lebendigkeit übrig geblieben. Da gibt es auch viele Leerstände.
Das ist alles wunderbar gedacht – von Theoretikern. Aber man stelle
sich mal vor, was hier los sein wird, wenn man den Verkehr wirklich
auf 20 km/h drosselt … das geht einfach sehr an der Realität vorbei.
Man kann die Konzepte aus anderen Städten nicht so einfach eins zu
eins umsetzen. Wir können als Anwohner und Händler unsere Wünsche
noch so oft äußern oder Vorschläge machen – letztendlich wird es doch so kommen, wie es die Stadt gerne möchte. Wir vermissen da die Möglichkeit der aktiven Mitsprache.

(Katja und Lutz Brockshus, Konditorei & Bäckerei Brockshus)

Teilen Sie uns Ihre Meinung mit! Leserbriefe bitte an info@nadorster-einblick.de

Kommentare

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Dankeschööön!

Vielen Dank, dass du diese News gesendet hast!

Wir werden uns deinen Beitrag ansehen und bei OYJO! veröffentlichen.*
* = Wir können jedoch leider nicht garantieren, dass jeder Beitrag veröffentlicht wird.

Dankeschööön!

Vielen Dank, dass du uns über dein Event informiert hast!

Wir werden uns deinen Beitrag prüfen und dann bei unseren Events anzeigen.