DURCH WANDEL OLDENBURG LEBENSWERTER MACHEN

Share on facebook
Share on twitter
Share on whatsapp
Share on email
Foto: Bonnie Bartusch

Im Gespräch mit Daniel Fuhrhop, parteilos, Oberbürgermeister-Kandidat für Bündnis 90/DIE GRÜNEN.

Was hat bei Ihnen den Ausschlag gegeben, für das Amt des Oberbürgermeisters zu kandidieren?

Ich lebe seit 2007 in Oldenburg. In meinem Berufsleben als ehemaliger Architekturverleger, Autor und Wirtschaftswissenschaftler reise ich durch ganz Deutschland und lerne dabei in den Städten, die ich besuche, tolle, lebendige Stadtteile kennen, wie neue Wohnprojekte aussehen können, wo alte und junge Menschen zusammenleben. Ich habe viel mit Akteuren und Beteiligten gesprochen und dabei immer wieder gedacht, wie viel Potenzial dafür auch in Oldenburg steckt. Diesen Grundgedanken hatte ich bereits, als ich gefragt wurde, ob ich für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren möchte. Mit der Kandidatur sehe ich die Chance, dass Oldenburg der Ort werden kann, den andere besuchen, um sich anzusehen, wie schön sich eine Stadt entwickeln kann. Aus meiner Erfahrung im Bereich der Stadtentwicklung weiß ich, dass wir ein noch viel lebenswerteres Oldenburg schaffen können.

Mit welchen Themen und Inhalten möchten Sie Ihre Wählerinnen und Wähler überzeugen?

Ich setze meine Schwerpunkte bei drei Themen: Ich will Wohnen sozialer machen, Oldenburg als Fahrradstadt besser machen und das Stadtzentrum weiter denken. Dabei geht es letztlich um das, was wir im Alltag in unserer Stadt erleben, also wohnen, unterwegs sein, die Innenstadt besuchen – das soll noch menschenfreundlicher und lebenswerter gestaltet sein als bisher. Und es soll auch der Wandel zur Nachhaltigkeit vollzogen werden, der in Oldenburg schon lange überfällig ist. Dieser Wandel wird unsere Stadt lebenswerter machen. Z. B. sind bessere Radwege gut für die Umwelt, aber natürlich für uns alle angenehmer im Alltag. Als Fahrradstadt sind wir schon in einer sehr guten Ausgangslage. Leider wurde versäumt, diese gute Basis weiter auszubauen; so wird etwa in Groningen fünfmal mehr pro Person für Radwege ausgegeben als hier. Wenn wir zukünftig ähnlich investieren und die Radwege konsequent verbessern, haben wir die Chance, dass Oldenburg einer der erfolgreichsten Fahrradstädte europaweit werden kann. Wir brauchen vor allem bezahlbaren Wohnraum, können aber auch zusätzlichen Wohnraum in unseren Altbauten schaffen, indem wir diese besser nutzen. Es gibt Programme für soziales Wohnen, die in anderen Städten, z. B. in Freiburg, bereits seit vielen Jahren umgesetzt werden. Diese sehen vor, dass Eigentümer:innen von Einfamilienhäusern bei einer Wohnraum-Untervermietung unterstützt werden – durch eine professionelle Vermittlungsstelle, die Jung und Alt zusammenbringt und Hausbesitzern mögliche Bedenken nimmt. Bei einer sozialen Wohnraumvermittlung wie in Karlsruhe garantiert die Stadt den Vermietern eine sichere Miete und ist bei etwaigen Problemen zur Stelle. So lassen sich viele Eigentümer:innen überzeugen, sogar bezahlbaren Wohnraum für diejenigen zur Verfügung zu stellen, die diesen dringend benötigen – das können Flüchtlinge sein, Alleinerziehende etc. Das ist gleichzeitig sozial und kostet weniger, als ein neues Baugebiet zu schaffen. Natürlich müssen wir auch Baugebiete erschließen, aber hier können lebendige Wohngebiete entstehen, in denen gewohnt und gearbeitet wird, wo man einkaufen und sich auch erholen kann. Ich möchte lebendige Stadtviertel schaffen, Wohnviertel, in denen z. B. im Erdgeschoss ausschließlich gearbeitet wird: Da gibt es eine Kita, ein Büro, einen Fahrradladen, einen Bäcker … Die Straßen sind belebter, die Wege zur Arbeit sind kurz. Die Parkplatzsituation kann man mit Quartiersgaragen lösen, das kennt man im Prinzip aus unseren Innenstädten. Auch wenn ich meine Schwerpunkte im Wahlprogramm habe, so habe ich mich mit allen Themen, die für die Stadt wichtig sind, beschäftigt. Manche Grundüberzeugungen sind mir dabei noch einmal richtig bewusst geworden. Natürlich werde ich u. a. gefragt, was meine Haltung zu Schulen und den Perspektiven für Kinder und Jugendliche ist, wenn es darum geht, die Folgen der Corona-Pandemie anzugehen. Es ist mir sehr wichtig, dass wir genau die Kinder und Jugendlichen unterstützen, die besonders gelitten haben, die nicht so viel Unterstützung von zu Hause bekommen konnten wie andere. Da möchte ich Schwerpunkte setzen, und wir werden Stellen schaffen, um gemeinsam mit Schulen, Freizeitstätten und Sportvereinen diesen Kindern und Jugendlichen zu helfen.

Was haben Sie aus Ihrem Wahlkampf bisher mitnehmen können?

Die Aufstellung und Koordination eines Wahlteams ist eine große Herausforderung, es macht aber auch sehr viel Spaß. Ich sehe darin ein Muster für jede Art von jeder Aufgabe: So wie ich früher mein eigenes Unternehmen gegründet habe und wie ich auch das Amt des Oberbürgermeisters angehen werde: Ich informiere mich in der Sache, danach suche ich mir ein Team von fähigen Menschen zusammen, wobei es wichtig ist, zu erkennen, wo es nötig ist, sich Expert:innen von außen zu holen. Ich spreche mit vielen Menschen quer durch die ganze Gesellschaft. Viele kommen auf mich zu, bringen ihre Erwartungen und Wünsche vor. Wichtig ist mir, immer klarzustellen, dass es die Aufgabe von allen ist, etwas zu verändern, es geht darum, gemeinsam zu überlegen, in was für einer Stadt wir leben wollen, und sich jede:r dann auf ihre/seine eigene Art und Weise dafür zu engagieren, z. B. im persönlichen Umfeld, in der Nachbarschaft, in der eigenen Straße. Jedes Gespräch bringt uns dabei weiter. Es gibt einige Bereiche, in denen ich bedingt durch meinen Beruf sehr klare Vorstellungen mitgebracht habe, und es gibt Bereiche, wo ich viel Neues gelernt habe. Wichtig ist für mich, jenes positive Bild zu vermitteln, dass unsere Stadt schon lebenswert ist – aber noch lebenswerter werden kann. Der Wandel zur Nachhaltigkeit und Klimaschutz bedeuten zwar eine sehr große Veränderung, aber niemand muss davor Angst haben, weil diese Veränderungen das weiterentwickeln, was wir in der Stadt bereits haben. Von daher bin ich überzeugt davon, dass wenn wir so ein großes Ziel vor Augen haben wie die Klimaneutralität 2035, Oldenburg danach lebenswerter sein wird als jetzt.

Interview: Renée Repotente

Kommentare

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

OYJO Newsletter

Abonnieren und News direkt ins Postfach!