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Kuratorenführung durch die Ausstellung „Chinin – Wundermittel gegen Malaria“

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Am Donnerstag, 24. Juni, 18.00 Uhr führt Kurator Drs. Hans Beelen (Carl von Ossietzky Universität Oldenburg) durch seine Ausstellung „Chinin – Wundermittel gegen Malaria“ in der Landesbibliothek Oldenburg.

Durch die Corona-Pandemie haben einige gefährliche Krankheiten an Aufmerksamkeit verlo­ren. Eine davon ist Malaria, die zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit zählt. Allein im 20. Jahrhundert starben 200 Millionen Menschen an Malaria, und immer noch for­dert sie laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) Jahr für Jahr rund 400.000 Opfer.

Übertragen werden die Malariaerreger durch die Stechmücke, nach dem kanadische Histori­ker Timothy C. Winegard das gefährlichste Tier der Welt. Die Geschichte der Malariabe­kämpfung ist ein faszinierendes Kapitel der Medizin- und Menschheitsgeschichte zugleich. Sie bietet ein Lehrstück, wie ein Insekt, eine epidemische Krankheit und eine Heilpflanze die Welt verändert haben.

Bereits vor der endgültigen wissenschaftlichen Bestätigung der Mücken als Überträger der Malariaerreger um 1900 hatte man bereits erkannt, dass der in Peru beheimatete Chinarin­denbaum ein wirksames Heilmittel gegen Wechselfieber bzw. Sumpffieber – so die frü­hen Bezeichnungen für Malaria − bietet. Pulverisierte Chinarinde wurde jahrhundertelang als Fie­bermittel eingesetzt; der in ihr enthaltene Wirkstoff Chinin blieb lange Zeit das einzig wirk­same Gegenmittel. Auch in Norddeutschland und in den Niederlanden war Marschenfie­ber oder kaltes Fieber bis ins 20. Jahrhundert eine weit verbreitete Krankheit.

In der Literatur schlug sich die Entdeckung des Chinins in der Novelle „Zuma“ von Madame de Genlis (1817) nieder. Sie beschreibt den aufsehenerregenden Fall der Gräfin Anna del Chincon, der Frau des Vizekönigs von Peru, die im Jahre 1638 durch das Mittel angeblich von Malaria geheilt wurde. Ihr zu Ehren gab Carl von Linné dem Baum den wissenschaftlichen Namen Cinchona. Bis 1810 hielt Spanien das Weltmonopol für Chinin inne. Danach wurde die Chinarinde über oft abenteuerliche Wege in der Welt verbreitet. Bis ins 20. Jahrhundert war das aus der Rinde gewonnene Alkaloid, später synthetisierte Chinin das einzige wirk­same Mittel gegen Malaria.

Der Versuch des britischen Chemikers William Henry Perkin, aus Teer synthetisches Chinin zu gewinnen, führte im 19. Jahrhundert zu der zufälligen Entdeckung des Farbstoffes Mauvein, die die Mode beeinflusste. Mauvein war der erste synthetische Farbstoff. Die neuartigen Farbstoffe wurden auch zur Einfärbung von mikroskopischen Präparaten benutzt und trugen somit letztendlich zur Entdeckung und Bekämpfung der Malaria-Erreger bei. Auch standen sie Pate für eine neue Generation von Malaria- und anderen Medikamenten.

Auch die Trinkkultur wurde und wird bis heute beeinflusst: im 19. Jahrhundert begannen Spirituosen- und Weinhersteller, ihre Produkte mit Chinin zu versetzen. So wurde eine durst­löschende und zugleich gesundheitsfördernde Wirkung angestrebt.

Die Ausstellung über das Wundermittel Chinin verdeutlicht die Geschichte eines Stoffes, der die Weltgeschichte geprägt hat. Ein Großteil der Exponate, die Kurator Drs. Hans Beelen ausgewählt hat, sind historische Drucke aus den Beständen der Landesbibliothek Olden­burg. Diese werden ergänzt durch entsprechende historische Objekte.

Ausstellung „Chinin – Wundermittel gegen Malaria“

Öffentliche Führungen am 24.6., 15.7. und 20.7., jeweils um 18.00 Uhr mit vorheriger Anmeldung über (0441) 505018-20 oder lbo@lb-oldenburg.de

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