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Sexualisierter Gewalt keine Chance geben

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Basissensibilisierung in allen sechs Pfarrkonventen der oldenburgischen Kirche macht den Auftakt.

Sexualisierte Gewalt ist missbrauchte Macht. Die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg will gegen jegliche Form sexualisierter Gewalt konsequent vorgehenden. Derzeit entwickelt sie ein verbindliches Schutzkonzept, das dann in allen Kirchengemeinden und auf allen Ebenen umgesetzt und dauerhaft verankert werden soll. Strukturen, die Macht und Manipulation begünstigen, stehen auf dem Prüfstand. Daneben soll eine alles durchdringende Kultur der Achtsamkeit entstehen, die die Haltung eines jeden Einzelnen in den Fokus rückt, macht Pfarrerin Julia Neuschwander deutlich. Neuschwander ist mit der Umsetzung des Schutzkonzeptes in der oldenburgischen Kirche beauftragt.
   
Zuallererst gehe es darum, den Blick auf das eigene Denken zu richten und das eigene Verhalten zu beobachten. So soll zunächst in sogenannten Basissensibilisierungen eine feinere Bewusstheit entwickelt werden.
   
Als externe Fachberatungsstelle – getragen vom „Verein zur Verhütung von Kindesmisshandlung e.V.“ – hat die oldenburgische Kirche das Kinderschutz-Zentrum Oldenburg beauftragt, Haupt- und Ehrenamtliche zu schulen und fortzubilden.
   
Den Auftakt machten am heutigen Mittwoch, 4. März, mehr als 50 Pfarrerinnen und Pfarrer während des Pfarrkonvents des Kirchenkreises Delmenhorst / Oldenburg Land in Wildeshausen. „Die Pfarrerinnen und Pfarrer haben sich sehr gewünscht, dass es eine solche Fortbildung gibt, damit sie handlungssicherer werden“, sagt Kreispfarrer Bertram Althausen.
   
Drei Stunden lang ging es heute zunächst um professionelle Nähe und Distanz, um Kommunikation und Berührung, um Haltung, Rollenklarheit und Grenzen – sowohl die anderer als auch die eigenen.
   
„Wenn wir wissen, wie sich sexuelle Gewalt konstruiert und was wir tun können, wenn sich uns jemand anvertraut, geraten wir nicht in den Sog, unüberlegt über den Kopf der oder des Betroffenen hinweg handeln zu wollen“, erklärt Dipl. Psych. Mareike van‘t Zet, Leiterin der Kinderschutz-Zentrums Oldenburg. „Und wir drücken das Thema auch nicht weg.“
   
Verpflichtende Basissensibilierungen dieser Art wird es 2020 in allen sechs Pfarrkonventen der oldenburgischen Kirche geben. Alle rund 250 Pfarrerinnen und Pfarrer werden daran teilnehmen. Dasselbe gilt in weiteren Schritten für alle Bereiche und Werke, die der Kirche angehören wie Diakonie, Bildungsstätten, Tagungshäuser, Beratungsstellen.
   
Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker wurden schon grundlegend geschult. Die Evangelische Jugend Oldenburg (ejo) hat sich im Februar 2012 einen Verhaltenskodex als Orientierung und Empfehlung für den Umgang von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Kindern und Jugendlichen beschlossen. Erweiterte Führungszeugnisse sind in der Arbeit mit Kindern und Jugendarbeit ohnehin Pflicht. Darüber hinaus schult das Landesjugendpfarramt hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Themenbereichen Kindeswohlgefährdung sowie Nähe und Distanz.
   
Nach der Basissensibilisierung wird die „Schutzkultur zur Verhinderung sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch“ 2021 und 2022 in Fachtagungen vertieft werden. Im Blickpunkt stehen dann u.a. Kindeswohlgefährdung und rechtliche Fragen vor allem für Seelsorgerinnen und Seelsorger; grenzachtende Kommunikation; der Umgang mit Anzeichen von Straftaten etwa durch Kolleginnen und Kollegen; die Gefahren von Macht und Hierarchie und damit die sensible Balance in Abhängigkeitsverhältnissen und die Folgen von Ohnmacht.
   
Pfarrerin Julia Neuschwander freut sich, dass mit dem konsequenten Vergehen gegen jede Form von „sexualisierter Gewalt“ gleichzeitig das umsichtige Miteinander in Wort und Tat gestärkt wird.

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